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Schikowski, 20. April 2010

Handwerk wartet weiter auf Konjunkturschub

Frühjahrs-Konjunkturbericht des rheinland-pfälzischen Handwerks: Noch keine Trendwende – aber Erwartungen optimistisch
Trier/Rheinland-Pfalz. Das Stimmungsbild in den Handwerksbetrieben in Rheinland-Pfalz zeigt sich nach wie vor eingetrübt. Die anhaltende konjunkturelle Krise sowie der lange Winter haben für einen verhaltenen Start im ersten Quartal 2010 gesorgt.
 
Die meisten Konjunkturindikatoren zeigen im Vergleich zum Vorjahr zwar eine leichte Verbesserung an, eine konjunkturelle Trendwende ist dadurch aber noch nicht gekennzeichnet. Doch die Erwartungen der Handwerksbetriebe lassen aus dem Frühjahrskonjunkturbericht 2010, den die Handwerkskammer Trier für die vier rheinland-pfälzischen Handwerkskammern in Kaiserslautern, Koblenz, Mainz und Trier erstellt, Positives erhoffen. Rund 6.000 Betriebe haben sich an der Konjunkturumfrage beteiligt.
 
Derzeit sind 66 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrer Geschäftslage; im Vorjahr waren es noch 63 Prozent der befragten Handwerker. Die Erwartungen fallen positiv aus – Für das nächste Quartal hoffen 78 Prozent auf eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage.
Geschäftsklima – unterschiedliche Beurteilung im Land
Die Beurteilung der Geschäftslage fällt in den vier Kammerbezirken unterschiedlich aus. So liegt Koblenz mit 69 Prozent der Betriebe (2009: 66 %, Vorjahreswerte in Klammern), die sich positiv über ihre Geschäftslage äußern, über dem Landesdurchschnitt. In Mainz entsprechen die Beurteilungen mit 67 Prozent (64 Prozent) ungefähr dem Landesschnitt. In Kaiserslautern und Trier fallen die Beurteilungen hingegen mit 62 (64 Prozent) und 59 Prozent (63 Prozent) deutlich geringer aus.
 
Auch in den einzelnen Handwerksbranchen hat sich die Beurteilung der Geschäftslage unterschiedlich entwickelt. Die Betriebe für den gewerblichen Bedarf wie Feinwerkmechaniker, Metallbauer oder Elektromaschinenbauer, die bis vor Beginn der Wirtschaftskrise die beste Einschätzung abgegeben haben, weisen nach wie vor zurückhaltende Einschätzungen auf. In dieser Gruppe melden landesweit nur 65 Prozent (67 %) eine positive Geschäftslage gegenüber 86 Prozent vor dem Einbruch. Von den befragten Betrieben in den Bauhandwerken schätzen in der aktuellen Konjunkturumfrage immerhin wieder 61 Prozent (54 %) ihre wirtschaftliche Situation positiv ein. Den höchsten Wert geben jedoch die Ausbauhandwerker mit 71 Prozent (66 %) positiven Beurteilungen ab.
 
In der Kfz-Branche ergibt sich im ersten Quartal 2010 eine positive Beurteilung von 62 Prozent (59 %) der Betriebe - trotz des Auslaufens der Umweltprämie. Im Gesundheitsgewerbe sind 69 Prozent (60 %) der Betriebe mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden, bei den Nahrungsmittelhandwerken sind die Einschätzungen mit 59 Prozent nahezu unverändert zum Vorjahr (60 %). Die heterogene Gruppe der personenbezogenen Dienstleistungen liegt mit 59 Prozent Angaben einer guten oder zufriedenstellenden Geschäftslage weit unter dem Vorjahreswert von 76 Prozent positiven Einschätzungen.
Steigender Auftragsbestand für Wochen – Auslastung noch zurückbleibend
Im vergangenen Jahr gaben 53 Prozent der befragten Betriebe einen konstanten oder gestiegenen Auftragsbestand gegenüber dem Vorquartal an, jetzt sind es 57 Prozent. Bei dem Auftragseingang melden 55 Prozent der Betriebe einen Anstieg oder Stabilität gegenüber dem Vorquartal an, im Vorjahr war der Wert mit 52 Prozent noch etwas niedriger. Die durchschnittliche Auftragsreichweite hat sich im Vergleich zum vergangenen Frühjahr ebenfalls erhöht und beträgt nun aktuell 6,6 Wochen (6,0 Wochen).
 
Die Auslastung im rheinland-pfälzischen Handwerk ist nach wie vor gering. Mit 45 Prozent gibt aktuell noch nicht einmal die Hälfte der Befragten eine Auslastung ihrer Kapazitäten von über 70 Prozent an. Im letzten Frühjahr waren dies ebenfalls nur 44 Prozent. Am stärksten ausgelastet sind zurzeit die befragten Betriebe im Kammerbezirk Koblenz, von denen 47 Prozent einen Auslastungsgrad von 70 bis 100 Prozent verzeichnen. Von den befragten Handwerkern im Kammerbezirk Mainz und Kaiserslautern geben noch 46 Prozent bzw. 44 Prozent eine zufriedenstellende Auslastung an. Am geringsten wird die Auslastung im Kammerbezirk Trier mit 40 Prozent zufriedenstellenden Angaben beziffert. Der Auslastungsgrad ist in allen Handwerksbranchen gesunken. Am stärksten ausgelastet sind die Handwerke im Ausbaugewerbe (54 %), gefolgt von den Gesundheitshandwerken (50 %) und dem Nahrungsmittelgewerbe (49 %). Das Baugewerbe bildet mit den personenbezogenen Dienstleistungen mit gerade mal 35 Prozent Auslastung über 70 Prozent das Schlusslicht.
Leicht rückläufige Umsätze – Preissteigerungen sowohl im Ein- als auch im Verkauf
Die Umsatzentwicklung im rheinland-pfälzischen Handwerk zeigt sich nach wie vor leicht rückläufig. Im Frühjahr 2010 geben nur 46 Prozent der Befragten höhere oder zumindest gleiche Einnahmen gegenüber dem Vorquartal an. Vor einem Jahr waren die Angaben auf einem vergleichbar niedrigen Niveau (44%). Die Umsatzerwartungen für das nächste Quartal sind dagegen optimistisch. Von den Befragten rechnen 73 Prozent zukünftig mit höheren oder zumindest gleichen Umsätzen.
 
Die Preise auf dem Beschaffungsmarkt sind angezogen; so geben 93 Prozent der befragten Unternehmen an, erhöhte oder zumindest gleich bleibende Einkaufspreise auf den Märkten vorzufinden. Im Frühjahr 2009 hingegen gaben nur 42 Prozent der Befragten gestiegene Einkaufspreise an. Doch auch auf den Absatzmärkten lassen sich wieder höhere Preise bei den Kunden durchsetzen. 80 Prozent der befragten Betriebe berichten über eine gestiegene oder zumindest gleichgebliebene Preisentwicklung im Verkauf.
Beschäftigungsmarkt weiterhin angespannt – Investitionstätigkeit leicht steigend
Die Beschäftigungsentwicklung im rheinland-pfälzischen Handwerk war in den Vorjahren von hoher Konstanz geprägt. Seit Beginn der Krise zeigen sich leicht negative Entwicklungen. 74 Prozent der befragten Betriebe nehmen im ersten Quartal dieses Jahres keine personellen Veränderungen vor (82 %), sieben Prozent stellen Mitarbeiter ein (5%) und 19 Prozent bauen Stellen ab (13 %). 11 Prozent der Befragten befürchten, in den nächsten drei Monaten Mitarbeiter entlassen zu müssen (15 %), neun Prozent denken über Einstellungen nach (8 %).
 
Die Investitionstätigkeit der Handwerksbetriebe in Rheinland-Pfalz ist leicht angestiegen. 29 % der Betriebe haben im Frühjahr 2010 eine durchschnittliche Summe von 65.000 Euro investiert (26 % - 32.000). Im Vergleich zum Vorquartal haben 56 % der befragten Betriebe ihre Investitionen erhöht oder auf einem gleichen Niveau gehalten (53 %). Die zukünftige Investitionstätigkeit wird sogar etwas höher eingeschätzt; so erwarten 60 Prozent der Betriebe in den nächsten drei Monaten gleiche oder höhere Investitionen.
Handwerk blickt optimistisch in die Zukunft
Auch wenn sich nur langsam eine positive Entwicklung der einzelnen Konjunkturindikatoren zeigt, so ist doch, trotz des langen Winters, eine steigende Tendenz erkennbar. Hinzu kommt, dass 78 Prozent der befragten Betriebe zukünftig eine zufriedenstellende Geschäftslage erwarten.
Die rheinland-pfälzischen Handwerkskammern sprechen sich für weitere Nachfrage belebende Maßnahmen und gegen Steuererhöhungen aus, um die Konjunktur wieder in Gang zu bringen.
 
Die Ausbildungsbereitschaft im rheinland-pfälzischen Handwerk ist nach wie vor hoch. Ausbildung, Qualifikation und Weiterbildung sind Garant für die Leistungsfähigkeit des Handwerks. Die Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz unterstützen ihre Mitgliedsbetriebe mit einem umfassenden Beratungs- und Weiterbildungsangebot sowie mit umfangreichen kostenfreien Dienstleistungen.
 
 
Informationen zu Einzelheiten der Frühjahrsbefragung 2010 bei der Handwerkskammer Trier,
Telefon 0651/ 207 131, Telefax 0651/ 207 215, www.hwk-trier.de

 

 
 
 
Grafik: Eingetrübte Stimmung im rheinland-pfälzischen Handwerk
 
 
 
Aktuell sind in diesem Frühjahr 66 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Im Vorjahr lag dieser Wert bei 63 Prozent. Im Frühjahr 2007 meldeten noch 69 Prozent der Befragten eine gute und befriedigende Geschäftslage. Für das nächste Quartal erwarten 78 Prozent gute oder zufriedenstellende Geschäfte.
Quelle: Hwk Trier