Die neueste Handwerkszählung bringt für die Handwerkswirtschaft verlässliche Strukturdaten. Nach 1995 legten die Statistischen Ämter von Bund und Ländern Ende Juli erstmals wieder umfassende Daten zum Handwerk vor. Während 1995 alle Handwerksbetriebe, mit Ausnahme der Betriebe der handwerksähnlichen Gewerbe, einzeln per Fragebogen erfasst wurden, basiert die jüngste Handwerkszählung auf der Auswertung vorhandener Verwaltungsdaten. Die Daten der Finanzverwaltungen, der Arbeitsagenturen und der Handwerksrollen wurden untereinander abgeglichen, und ein Unternehmensregister des Handwerks wurde aufgebaut. Die Möglichkeiten der registergestützten Auswertungen befreien Handwerksunternehmer von oft unbeliebten statistischen Fragebögen.
Der Nachteil des Verfahrens: Es werden nicht alle Handwerksunternehmen erfasst. Die jetzt vorgelegten Ergebnisse berücksichtigen nur die Handwerksunternehmen des zulassungspflichtigen und des zulassungsfreien Handwerks, die mehr als 17.500 Euro Umsatz pro Jahr erwirtschaften und mindestens einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen. Das sind in Rheinland-Pfalz für den Stichtag 31. Dezember 2008 rund 30.500 Handwerksunternehmen mit einem Gesamtumsatz von 24 Milliarden Euro und 242.000 Beschäftigten.
Rund 26 Prozent oder 10.551 Handwerksunternehmen des zulassungspflichtigen und des zulassungsfreien Handwerks sind mit der registergestützten Methode der Handwerkszählung nicht erfasst worden. Dabei handelt es sich um handwerkliche Kleinstunternehmen mit weniger als 17.500 Euro Umsatz und handwerkliche Nebenbetriebe (z.B. Fleischereiabteilungen im Supermarkt).
Das rheinland-pfälzische Handwerk wies nach Angaben des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz für 2008 elf Prozent des Gesamtumsatzes aller Unternehmen aus und beschäftigte 14,3 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Nicht berücksichtigt sind die Leistungen und Beschäftigten der rund 8.300 Betriebe der handwerksähnlichen Gewerke, die überwiegend zu den Kleinstbetrieben zählen.
Gegenüber der letzten Handwerkszählung 1995 hat sich die gesamtwirtschaftliche Position des Handwerks in Rheinland-Pfalz gefestigt. Die überdurchschnittlichen Ausbildungsleistungen wurden dabei nicht berücksichtigt. Hohes Regenerationsvermögen und die Anpassungsfähigkeiten an sich stets verändernde Märkte machen das Handwerk widerstandsfähig und auch für die Zukunft sicher.
Die vorgelegten Zahlen sind von wesentlicher Bedeutung für die wirtschafts-, gesellschafts- und handwerkspolitischen Weichenstellungen der kommenden Jahre, da sie die Bedeutung des Handwerks als Stabilisator des Wirtschaftsstandortes Rheinland-Pfalz untermauern und – abgesehen davon, dass nicht alle Daten berücksichtigt sind – eine gute Abbildung der Wirtschaftskraft des Handwerks in Rheinland-Pfalz geben.
Mainz, 08. August 2011