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Schueler, 19. August 2011

VDR und Handwerkskammern machen Vorschläge für eine bessere Berufsorientierung

Für eine frühzeitige, individuelle und begabungsgerechte Förderung von Jugendlichen haben sich die Handwerkskammern und der rheinland-pfälzische Landesverband der Realschullehrer (VDR) ausgesprochen. Dazu gehöre, wie beide Seiten nach ihrem Meinungsaustausch in Mainz betonten, eine intensive und rechtzeitige Berufsorientierung, die den Schülerinnen und Schülern insbesondere auch die beruflichen Chancen mit einer Ausbildung im dualen System aufzeige. Eine solche Ausbildung sei keine Sackgasse, sondern ein Sprungbrett für viele berufliche Optionen, sei es eine Führungsposition im Angestelltenverhältnis, die Gründung eines eigenen Unternehmens oder ein Studium – bei einer soliden Ausbildung stünden alle Wahlmöglichkeiten offen.

Bei der Entscheidung für den richtigen Berufsweg, entsprechend der persönlichen Stärken und Schwächen, komme den Berufwahlkoordinatoren, die inzwischen gemäß der Landesvereinbarung über eine frühzeitige Berufsorientierung an allen rheinland-pfälzischen Schulen etabliert seien, eine Schlüsselfunktion zu, betonten die Gesprächsteilnehmer Wilfried Rausch, Gudrun Deck, Wolfgang Seebach und Wolfgang Häring  (VDR) sowie Elvira Gemmer, Rita Petry, Manfred Schritz und Günther Behr (Handwerkskammern). Gleichzeitig kritisierten sie, dass deren Aufgabe noch zu wenig mit Inhalten gefüllt sei. Hier sei die Landesregierung gefordert, endlich zu handeln. Schließlich solle die frühzeitige und eingehende Berufsorientierung entscheidend mit dazu beitragen, die Zahl der Ausbildungsabbrüche zu verringern und den Ausbildungserfolg zu sichern.

VDR und Kammern sprechen sich daher für die Formulierung eines tragfähigen Konzeptes und Anforderungsprofils aus. Sie erwarten die systematische Qualifizierung der verantwortlichen Lehrkräfte und die Einrichtung verbindlicher Fortbildungsangebote und Praktika. Um zusätzlichen bürokratischen Aufwand zu vermeiden, sollten deren Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben auf das erforderliche Maß begrenzt werden. Außerdem sei es nötig, die Berufswahlkoordinatoren von anderen Aufgaben durch eine geringere Stundenzahl zu entlasten, damit sie sich intensiv der Beratung und Betreuung der Schülerinnen und Schüler, die vor der Berufsentscheidung stehen, widmen können.

Weiter plädieren der VDR und die Handwerkskammern dafür, Unterrichtseinheiten zur Förderung sowohl leistungsschwächerer als auch leistungsstarker Schüler anzubieten und dafür die notwendigen Ressourcen zu schaffen. Kompetenztests und Förderpläne seien wichtige Bestandteile einer solchen Maßnahme. Leistungsstarke Schülerinnen und Schülerinnen sollten gerade im Hinblick auf die vielfältigen Perspektiven einer dualen Ausbildung unterstützt werden, kann sie doch auch ohne Abitur in ein Hochschulstudium münden, entsprechend eines laufenden Modellversuches sogar direkt nach Abschluss der Gesellenprüfung bei entsprechend guten Leistungen (Prüfungsnote von mindestens 2,5).

Hinweise auf die enge Haushaltslage des Landes lassen sie dabei nicht gelten. Mehrkosten seien gut angelegt, wenn dafür frühzeitig die Weichen richtig gestellt würden. Fehlentscheidungen bei der Berufswahl, womöglich noch mit langen Warteschleifen, seien unterm Strich teurer.

Vorgeschlagen wird überdies ein landesweites Internetportal „Berufswahlvorbereitung“, das durch die Schulen, und hier insbesondere durch die Berufswahlkoordinatoren, im Hinblick auf eine systematische Gestaltung der Berufsorientierung mit Materialien genutzt werden kann. Außerdem sollten  Links zu dem Landesbildungsserver sowie zu Ansprechpartnern aus dem schulischen und außerschulischen Bereich geschaltet werden. Ein regelmäßiger Informationsaustausch der Kooperationspartner im Netzwerk sei ebenfalls effizienzsteigernd. Festzulegen sei, wer Initiator solcher Treffen ist und wer die Zielvereinbarungen der Partner formuliert und evaluiert.

Kammern und VDR betonten zudem die Bedeutung von Praktika für die berufliche Orientierung. Die Bereitstellung von entsprechenden Plätzen für Betriebspraktika im Bereich der Sekundarstufe I (14-tägig, Ferienpraktika, Praxistag) und für die Klasse 11  der neuen Fachoberschule (wöchentlich 3-tägig) sei deshalb unerlässlich.

Abschließend sprachen sich beide Seiten für eine zentrale Abschlussprüfung nach der Sekundarstufe I aus, um die Abschlüsse transparent und vergleichbar zu machen.