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Schueler, 14. September 2011

In einer gemeinsamen Besprechung der verantwortlichen Leiter der Bereiche Aus- und Weiterbildung der Handwerkskammern (HWK) und Industrie- und Handelskammern (IHK) in Rheinland-Pfalz mit dem Verband der Berufsschullehrer (vlbs) wurden die Entwicklungen in der Berufsbildungspolitik vor dem Hintergrund des neuen rot-grünen Koalitionsvertrages beleuchtet. „Bei wichtigen Themen der berufsbildenden Schulen haben wir Übereinstimmung mit den Kammern gefunden“, so der Vorsitzende Ulrich Brenken im Anschluss an die Sitzung. „In diesen Bereichen werden wir die Zusammenarbeit mit den Kammern in Zukunft noch verstärken“.

Zum Thema Lehrkräfteversorgung äußerten sowohl die Kammern als auch der vlbs ihr Befremden über die nach der Wahl von der neuen Landesregierung erhobene Forderung, im Bildungsbereich in den nächsten fünf Jahren 2.000 Lehrkräfte einzusparen zu wollen. Vor der Landtagswahl sei immer verbreitet worden, dass die durch sinkende Schülerzahlen frei werdenden finanziellen Mittel dem Bildungssystem zur Verbesserung der pädagogischen Situation erhalten bleiben sollen.

Außerdem könne in berufsbildenden Schulen schon gar nicht von einer Überversorgung mit Lehrkräften gesprochen werden. So habe die Studie von Prof. Klemm zu KoSi 2010 bereits im Jahre 1995 darauf hingewiesen, dass die berufsbildenden Schulen bis zum Schuljahr 2007/08 um 3.000 neue VZ-Einstellungen benötigen. 1.800, d.h. nicht einmal 2/3 seien eingestellt worden. Es fehlten nun - ca. drei Studentengenerationen weiter - schon von daher 1.200 BBS-Lehrkräfte. Weiterhin machte der vlbs deutlich, dass die berufsbildenden Schulen mit 5,9 % immer noch einen etwa viermal so hohen strukturellen Unterrichtsausfall aufweisen wie im Mittel die allgemein bildenden Schularten. Kammern und vlbs fordern deshalb ein Marketingkonzept zur zielgerichteten Anwerbung von BBS-Lehrkräften.

Fachbereiche, die in Zukunft aufgrund zurückgehender Schülerzahlen keinen strukturellen Unterrichtsausfall mehr aufweisen, sollten nach Auffassung des vlbs zusätzliche Lehrkräftestunden für Stütz- und Förderunterricht oder für den Wahlpflichtbereich auch in der Berufsschule erhalten, so dass etwa im Berufsschulunterricht für 12 Schülerwochenstunden 13 bis 14 Lehrerwochenstunden gegeben werden könnten. In den allgemeinbildenden Schulen würden solche Unterrichtsstunden lange in die Unterrichtsversorgung eingerechnet.

Unterstützung durch die Kammern erhält der vlbs auch in der Kritik zur Einrichtung von immer mehr Fachoberschulen. Insbesondere wenn eine FOS die gleiche Fachrichtung wie die in der Nähe liegende BBS habe, würden hierdurch teure und überflüssige Doppelstrukturen aufgebaut. Gleichzeitig würden BBS-Lehrkräfte für diese Fachoberschulen, so der vlbs, abgeworben. Es werde zwar vom Ministerium erklärt, dass für die von BBS abgezogene Unterrichtskapazität adäquat Ersatz geschaffen werde, in der Realität sei es aber bisher nicht selten so, dass sich der Unterrichtsausfall an BBS zugunsten der FOS erhöhe, weil kein oder kein vollständiger Ersatz geschaffen werde. Das sei nicht hinnehmbar.

Die Kammern kritisieren, dass die Realschulen plus gar ermutigt würden, weitere Fachoberschulen zu beantragen. Generell sollte die Genehmigung von Fachoberschulen auf eine geringe Zahl begrenzt werden. Kammern und vlbs stimmen überein, dass für die meisten Schülerinnen und Schüler der direkte Weg in eine duale Ausbildung der bessere Weg wäre.

Unterschiedliche Auffassung von vlbs und den Kammern gab es bezüglich der Ausweitung der Fort- und Weiterbildungsangebote an berufsbildenden Schulen. Die Kammern kritisieren, dass hier eine staatlich subventionierte Konkurrenz zu den hochwertigen aber nicht kostenfreien Angeboten der meist freien Bildungsträger aufgebaut werde. Insbesondere die Fachschulen sehen sie als Konkurrenz zu den von den Handwerkskammern getragenen Weiterbildungen.

Damit Schülerinnen und Schüler den in vielen Fällen passenderen Weg in die duale Ausbildung überhaupt finden, müsse die Beratung nach Auffassung von vlbs und Kammern in allen Schularten, auch in den Gymnasien, intensiviert werden. Die 2009 hochrangig von Kammern, Arbeitsagentur sowie Sozial- und Bildungsministerium in Kraft gesetzte Richtlinie für die Schullaufbahnberatung sowie die Berufswahlvorbereitung und die Studienorientierung gilt es angemessen auszufüllen und somit - ab Klasse 8 und mindestens einmal jährlich -in allen Schularten Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern systematisch zu beraten – ganz besonders auch über die Chancen und Möglichkeiten in der beruflichen Bildung. Im derzeitigen Beratungsstadium bleibe sie allerdings zu allgemein gehalten oder beschreibe nur die bereits vorhandene Situation an den Schulen, weniger die notwendige Weiterentwicklung der Beratung.

In einer Stellungnahme zur Richtlinie kritisieren die Kammern die wenig konkretisierten Aufgabenbereiche einer großen Liste an möglichen Berufswahlkoordinatoren. Außerdem fehlten die notwendigen Fortbildungsressourcen. Der Wichtigkeit des Themas entsprechend sollte nach Meinung der Kammern ein frei zugängliches Internet-Portal mit konkreten Angeboten und Best-Practice-Beispielen aufgebaut werden. Kammern und vlbs sehen die Notwendigkeit, sich noch intensiver dieses Themas anzunehmen, nicht zuletzt um dem zukünftig befürchteten Fachkräftemangel entgegentreten zu können.

Die offenen und intensiven Gespräche in guter Atmosphäre sollen fortgesetzt werden.

Die Teilnehmerin und Teilnehmer der gemeinsamen Besprechung:
Kammern: Dr. Bernward Eckgold (HWK Koblenz), Elvira Gemmer (HWK Rheinhessen), Manfred Göbel (IHK Koblenz), Marcus Kleefisch (IHK Trier), Andreas Resch (IHK Rheinhessen)
vlbs: Ulrich Brenken (Landesvorsitzender), Christoph Ringhoffer (Landesgeschäftsführer), Harry Wunschel (Beisitzer Landesvorstand).