"Ist das Handwerk noch zu retten?"

Neue HWK-Broschüre fordert bildungspolitische Neuorientierung zugunsten von Qualität und beruflicher Qualifikation

Die Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz sehen die Zukunft der beruflichen Qualifikation und damit auch die Qualität handwerklicher Leistungen langfristig wesentlich gefährdet. Die Handwerkskammer Trier hat dazu ein Diskussionspapier verfasst und daraus einen Handlungsleitfaden abgeleitet. Dieser beschreibt die von Handwerksorganisation selbst umzusetzenden Maßnahmen, formuliert aber auch Erwartungen und Forderungen an die Politik. Die Kammern Koblenz, Rheinhessen und der Pfalz unterstützen diesen Appell. 

Ausgangspunkt für diese Initiative ist die sich gerade im Handwerk dramatisch verschärfende Nachwuchs- und Fachkräftesituation. Als Hauptursachen werden veränderte politische Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Entwicklungen und berufsbildungspolitische Weichenstellungen gesehen. Durch den Trend zum "Abitur für alle" werde das bisherige Erfolgsmodell "duale Berufsausbildung" immer mehr geschwächt. 

"Gerade für den personalintensiven Bereich des Handwerks habe dies fatale Folgen, so der Präsident der Handwerkskammer Trier, Rudi Müller." Eine hochwertige berufliche Qualifizierung, von der Lehrlingsausbildung bis zum Meisterbrief, ist aber von jeher das unverwechselbare Markenzeichen, aber auch der unverzichtbare "Lebensnerv für ein leistungsstarkes Handwerk." Die qualitative Abwärtsspirale bei den Lehrlingen schlage sich dann auch bei Fach- und Führungskräften, Meistern und Selbstständigen nieder. 

"Diese Probleme, die das Handwerk bereits deutlich spüre", so der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Trier, Dr. Manfred Bitter, beträfen letztlich aber die gesamte Wirtschaft und das System der beruflichen Ausbildung und Aufstiegsqualifizierung. Gleichzeitig wachse aber die Zahl der Studienabbrecher und zunehmend auch der Hochschulabsolventen ohne adäquate Beschäftigung. "So erfreulich es ist, dass die Zahl der Studienaussteiger, die eine Lehre im Handwerk absolvieren wollen, sprunghaft steigt, so sehr sollten wir darauf hinwirken, dass solche Um- und Irrwege von vornherein vermieden werden", so der Kammer-Hauptgeschäftsführer. "Eine erfolgreiche Handwerkskarriere ist nicht nur direkt nach dem Abitur, sondern auch nach einer Mittleren Reife oder einem ordentlichen Hauptschulabschluss nach wie vor möglich!" 

Aus der Sicht der HWK Trier muss die Diskussion über Berufs- und Lebensperspektiven jetzt sehr offensiv geführt werden. Ansätze, auch qualifizierten Absolventen einer dualen Ausbildung ohne formale Hochschulreife ein Studium zu ermöglichen und entsprechende Unterstützungsangebote zu entwickeln, werden von der HWK Trier als zusätzliche Karriereoption ausdrücklich begrüßt. Entscheidend sei jedoch, dass eine erfolgreiche Ausbildung heute gerade im Handwerk glänzende Beschäftigungs- und Aufstiegschancen eröffne. 

Die Handwerksorganisationen des Bezirks wollen daher in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich noch enger zusammenarbeiten, um unterschiedlichsten Begabungen gezielte Unterstützungsangebote zu unterbreiten - für Jugendliche mit schwächeren Schulabschlüssen bis hin leistungsstarken, aufstiegsorientierten jungen Menschen, beispielsweise auch im Rahmen eines dualen Studiums.