Konjunkturbericht Rheinland-Pfalz

03.05.2013

Langer Winter bremst Konjunktur 

Trier/Rheinland-Pfalz. Nach der aktuellen Konjunkturumfrage der rheinland-pfälzischen Handwerkskammern fällt die Beurteilung der Geschäftslage in den regionalen Handwerksbetrieben mit 75 Prozent positiven Beurteilungen deutlich zurückhaltender gegenüber dem Vorjahr (83 Prozent) aus.

Der lang anhaltende Winter zu Jahresbeginn ist nicht spurlos an den Handwerksbetrieben vorbei gegangen. Dies spiegelt sich neben dem Stimmungsbild durch die Geschäftslagebeurteilungen auch in anderen Konjunkturindikatoren, wie beispielsweise dem Auftragsbestand, der Betriebsauslastung und der Umsatzentwicklung, wider.

Die Erwartungen für das kommende Quartal bleiben hingegen optimistisch. Die Mitgliedsbetriebe der vier rheinland-pfälzischen Handwerkskammern in Kaiserslautern, Koblenz, Mainz und Trier erwarten zu 86 Prozent eine gute oder befriedigende Geschäftslage. 

Leicht eingetrübte Geschäftslagebeurteilungen 

Die Einschätzung der Geschäftslage ist mit aktuell 75 Prozent (Vorjahreswerte jeweils in Klammern: 83 Prozent) positiven Beurteilungen hinter dem hohen Niveau des Vorjahres zurück geblieben. In den Kammerbezirken gibt es kaum Unterschiede in den Beurteilungen. Im Kammerbezirk Koblenz geben 76 Prozent (83 Prozent) der Betriebe positive Geschäftslagebeurteilungen ab, in den Kammerbezirken Trier und Rheinhessen jeweils 75 Prozent (84 und 82 Prozent), während es im Kammerbezirk Pfalz 74 Prozent (83 Prozent) sind. 

In den einzelnen Handwerksbranchen gibt es größere Unterschiede in der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage. Die Bandbreite reicht von 63 bis 81 Prozent. Spitzenreiter ist im Frühjahr 2013, wie bereits im Vorjahr, das Ausbaugewerbe (bspw. Maler und Lackierer, Tischler, Elektrotechniker, Installateure- und Heizungsbauer) mit 81 Prozent (89 Prozent) positiven Rückmeldungen.

Im Baugewerbe geben 74 Prozent (83 Prozent) der befragten Betriebe eine gute oder befriedigende Geschäftslage an. Die Baukonjunktur ist nach wie vor auf einem guten Kurs. Die Hypothekenzinsen sind niedrig und das Fehlen sicherer Anlagemöglichkeiten begünstigt Investitionen in werthaltige Handwerksleistungen, etwa für die eigene Immobilie.

Der Bereich der Handwerke für den gewerblichen Bedarf (bspw. Metallbauer, Feinwerkmechaniker oder Elektromaschinenbauer) ist aktuell mit 76 Prozent (87 Prozent) zufriedenstellenden Geschäftslagebeurteilungen knapp über dem Durchschnitt aller Branchen.

Bei den Kfz-Betrieben ist die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr etwas gedämpfter. 63 Prozent (74 Prozent) der Betriebe melden derzeit eine zumindest zufriedenstellende Geschäftslage.

Leichte Zuwächse gibt es hinsichtlich der Geschäftslagebeurteilungen der Nahrungsmittelhandwerker. Hier geben 77 Prozent (65 Prozent) gute und befriedigende Einschätzungen ab. Der Gesundheitsbereich (bspw. Augenoptiker, Zahntechniker, Orthopädietechniker) ist mit 75 Prozent (76 Prozent) positiven Einschätzungen ebenfalls auf einem guten Niveau geblieben.

Leichte Rückgänge bei der Stimmungslage gibt es hingegen im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungsbetriebe mit Friseuren, Fotografen und Kosmetikern. Hier geben 66 Prozent (78 Prozent) der Betriebe zufriedenstellende Beurteilungen ab. 

Weniger Kundenaufträge im Winter 

Die Auftragsbestände der rheinland-pfälzischen Betriebe fallen zu Jahresbeginn mit 65 Prozent gleichen oder gestiegenen Beständen (73 Prozent) schwächer aus als im vergangenen Frühjahr. Damit einhergehend sind auch weniger Auftragseingänge in dieser Zeit zu verzeichnen.

Die Handwerksbetriebe rechnen allerdings in den kommenden Monaten mit einer deutlich besseren Auftragslage. 88 Prozent der Betriebe geben an, einen gleichen oder gar gestiegenen Auftragseingang zu erwarten.

Am schlechtesten stellt sich die Auftragssituation des 1. Quartals im Kraftfahrzeuggewerbe dar. Die Auftragsbestände und –eingänge blieben mit 51 Prozent Angaben rückläufiger Auftragseingänge deutlich hinter dem Durchschnitt der Branchen. Erfreulich ist aber auch hier, dass 84 Prozent der Betriebe zukünftig eine positive Entwicklung der Auftragseingänge und damit ein anziehendes Werkstattgeschäft erwarten.  

Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist in diesem Frühjahr mit 7,8 Wochen (7,6 Wochen) auf einem vergleichbar hohen Niveau wie im Vorjahr. Der Auftragsbestand reicht im Kammerbezirk Trier mit derzeit 8,3 Wochen am längsten in die Zukunft, gefolgt von 8,2 Wochen im Kammerbezirk Koblenz, 7,5 Wochen in der Region Pfalz und derzeit 6,8 Wochen im Kammerbezirk Rheinhessen. 

Umsatzentwicklung leicht rückläufig 

Branchenübergreifend ist die Umsatzentwicklung der befragten Betriebe leicht rückläufig. 46 Prozent (34 Prozent) der Betriebe geben gesunkene Umsätze verglichen mit dem Vorquartal an. In den Kammerbezirken Trier und Rheinhessen sind die Umsätze mit 48 Prozent (31 und 43 Prozent) Angaben einer rückläufigen Entwicklung am stärksten zurück gegangen. In der Region Pfalz und Koblenz geben die Betriebe jeweils zu 45 Prozent (35 und 36 Prozent) Umsatzeinbußen an.

Die zukünftigen Erwartungen hinsichtlich des Umsatzes sind demgegenüber optimistischer. 82 Prozent der Betriebe rechnen zukünftig mit höheren oder zumindest gleichen Umsätzen. 

Betriebsauslastung geringer 

Die Kapazitätsauslastung in den rheinland-pfälzischen Handwerksbetrieben ist mit 54 Prozent (60 Prozent), die eine Auslastung über 70 Prozent angeben, geringer als noch ein Jahr zuvor.

Am stärksten ausgelastet sind zurzeit die Betriebe im Kammerbezirk Koblenz, von denen 56 Prozent (59 Prozent) angeben, einen Auslastungsgrad von 70 bis über 100 Prozent zu haben. Von den befragten Betrieben im Kammerbezirk Trier geben 54 Prozent (63 Prozent) eine zufriedenstellende Auslastung an. In den Bezirken Rheinhessen und Pfalz geben jeweils 53 und 52 Prozent (61 Prozent und 56 Prozent) der Betriebe eine zufriedenstellende Auslastung. 

In den jeweiligen Handwerksbranchen stellt sich der Auslastungsgrad unterschiedlich dar. Mit Abstand sind die Betriebe des Ausbaugewerbes mit 64 Prozent (72 Prozent) am stärksten ausgelastet, gefolgt von den Handwerken des gewerblichen Bedarfs mit 60 Prozent (63 Prozent). Das Schlusslicht bilden die Betriebe der Persönlichen Dienstleistungen mit gerade mal 24 Prozent (39 Prozent) Auslastung über 70 Prozent. 

Beschäftigungsentwicklung stabil 

Trotz des langen Winters ist die Beschäftigungssituation zu Beginn des Jahres 2013 stabil. Von den rheinland-pfälzischen Handwerksbetrieben haben 76 Prozent (76 Prozent) gegenüber dem Vorquartal keine personellen Veränderungen vorgenommen, 8 Prozent (9 Prozent) haben mehr Personal beschäftigt und 16 Prozent (15 Prozent) mussten Personal freisetzen. Für die nächsten drei Monate planen wiederum 10 Prozent (11 Prozent) Mitarbeiter einzustellen, während gerade mal 9 Prozent (7 Prozent) befürchten zukünftig Mitarbeiter entlassen zu müssen.

Die meisten Einstellungen werden für die kommenden Monate im Bau- und Ausbaugewerbe erwartet. Im Baugewerbe planen 16 Prozent zukünftig zusätzliches Personal einzustellen. Im Ausbaugewerbe sind es immerhin noch 11 Prozent. Die meisten Personalfreisetzungen werden im Kfz-Gewerbe und im Bereich der Nahrungsmittelhandwerke erwartet. 

Investitionsvolumen geringer 

Die Investitionstätigkeit der rheinland-pfälzischen Handwerksbetriebe ist mit 33 Prozent (32 Prozent) der Betriebe, die Investitionen vorgenommen haben, auf Vorjahresniveau. Die durchschnittliche Investitionssumme je Betrieb hat sich dabei von 28.000 Euro im vergangen Frühjahr auf aktuell 24.000 Euro etwas verringert.

Die höchste Investitionsquote haben diesesmal nicht die Betriebe des Baugewerbes, die hier oftmals Spitzenreiter sind (aktuell 36 Prozent ggü. 41 Prozent im Vorjahr). Die höchste Quote ist bei den Nahrungsmittelhandwerken vorzufinden, bei denen 39 Prozent (37 Prozent) der Betriebe investiert haben.

Die höchste durchschnittliche Investitionssumme ist bei Bauhandwerkern mit 35.000 Euro (42.000 Euro) zu verzeichnen.

Auf rheinland-pfälzischer Ebene haben die Betriebe des Kammerbezirks Rheinhessen die höchste Investitionsquote mit 37 Prozent (34 Prozent) erzielt. Die höchste durchschnittliche Investitionssumme hingegen gibt es in den Kammerbezirken Pfalz und Trier mit jeweils 27.000 Euro.