Stabile Handwerkskonjunktur in Rheinland-Pfalz

Während ganz Deutschland um den Aufschwung bangt, fällt die Beurteilung der Geschäftslage in den rheinland-pfälzischen Handwerksbetrieben positiv aus. 87 Prozent der Betriebe geben im Rahmen der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammern gute oder befriedigende Einschätzungen ab. Die guten Einschätzungen der Geschäftslage des Vorjahres (85 Prozent positive Beurteilungen) können sogar übertroffen werden.

Die Mitgliedsbetriebe der vier rheinland-pfälzischen Kammerbezirke Kaiserslautern, Koblenz, Mainz und Trier blicken optimistisch in die ungewisse Zukunft und erwarten erneut eine positive Geschäftslageentwicklung: 88 Prozent (Vorjahr: 87 Prozent) der Betriebe rechnen auch für das kommende Quartal mit einer guten oder befriedigenden Geschäftslage.

Positive Einschätzung der Geschäftslage

Die meisten positiven Geschäftslagebeurteilungen werden im Kammerbezirk Mainz mit 92 Prozent (2013: 86 Prozent) abgegeben. Es folgen die Kammerbezirke Trier mit 90 Prozent (2013: 87 Prozent) und Koblenz mit 86 Prozent (Vorjahr: 86 Prozent). Die wenigsten positiven Beurteilungen gibt es im Rahmen dieser Umfrage im Kammerbezirk Kaiserslautern mit 83 Prozent (Vorjahr: 83 Prozent). In allen Kammerbezirken fallen die Geschäftslagebeurteilungen mindestens genauso gut aus wie noch vor einem Jahr. 

Bezogen auf die einzelnen Handwerksbranchen fällt die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage nur leicht unterschiedlich aus. Das gute Umfrageergebnis wird in den großen Bereichen Bauhauptgewerbe und Ausbaugewerbe maßgeblich durch die anhaltend guten bauwirtschaftlichen Aktivitäten beeinflusst. Die Bau- und Ausbauhandwerker sind damit erneut Spitzenreiter bei der Beurteilung ihre Lage, zumal auch die Auftragslage insbesondere im Bereich der energetischen Sanierungen anhaltend gut ist. 

87 Prozent (Vorjahr: 92 Prozent) der rheinland-pfälzischen Betriebe des Baugewerbes bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend. Im Ausbaugewerbe sind dies 90 Prozent (Vorjahr: 91 Prozent). 

Die Beurteilung der Geschäftslage im Bereich der Handwerke für den gewerblichen Bedarf (z. B. Feinwerkmechaniker, Metallbauer, Elektromaschinenbauer) fällt ebenfalls erfreulich aus. 87 Prozent (Vorjahr: 80 Prozent) der Betriebe geben positive Beurteilungen ihrer aktuellen Geschäftslage ab. 

Bei den Kfz-Betrieben ist die Stimmungslage mit 81 Prozent guten oder befriedigenden Geschäftslagebeurteilungen leicht positiver als im Vorjahr mit 77 Prozent. Die Absätze durch Neufahrzeug- und Gebrauchtwagenverkäufe konnten wieder leicht gesteigert werden bei einem soliden Werkstattgeschäft. 

Die konsumnahen Handwerke profitieren weiterhin von der stabilen Konsumnachfrage. Von den personenbezogenen Dienstleistungsbetrieben (z.B. Friseure, Fotografen und Textilreiniger) schätzen 85 Prozent (Vorjahr: 78 Prozent) die aktuelle Geschäftslage gut oder befriedigend ein. Im Gesundheitsgewerbe sind es 87 Prozent (Vorjahr: 78 Prozent), im Nahrungsmittelhandwerk geben 82 Prozent (Vorjahr: 81 Prozent) positive Urteile ab.

Gute Auftragslage und lange Auftragsreichweite

Der Auftragsbestand und der Auftragseingang zeigen sich im Herbst dieses Jahres nach wie vor positiv. Der Auftragsbestand ist bei 75 Prozent (Vorjahr: 78 Prozent) der rheinland-pfälzischen Betriebe gegenüber dem Vorquartal gleich geblieben oder angestiegen. Ein zumindest unveränderter Auftragseingang wird von 76 Prozent der Befragten gemeldet (Vorjahr: 78 Prozent). 

Am besten stellt sich die Beurteilung des Auftragsbestandes bei den Nahrungsmittelhandwerkern (85 Prozent) und den persönlichen Dienstleistungsgewerben (83 Prozent) dar. Doch auch im Bau- und Ausbaugewerbe geben (75 Prozent bzw. 78 Prozent) positive Beurteilungen des Auftragsbestandes ab. Das Schlusslicht bildet in diesem Herbst, wie bereits im Vorjahr, das Kfz-Gewerbe. 

Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist im Vergleich zum vergangenen Herbst auf einem gleich hohen Niveau und beträgt aktuell 8,0 Wochen (Vorjahr: ebenso). Das nach wie vor gute Niveau zeigt sich in den einzelnen Kammerbezirken leicht unterschiedlich. Die Betriebe im Kammerbezirk Koblenz geben mit durchschnittlich 9,1 Wochen (Vorjahr: 8,3 Wochen) den höchsten Auftragsvorlauf an, dicht gefolgt vom Kammerbezirk Trier mit 8,7 Wochen (Vorjahr: 8,2 Wochen) und Mainz mit 7,2 Wochen (Vorjahr: 8,2 Wochen). Im Kammerbezirk Kaiserslautern beträgt die durchschnittliche Auftragsreichweite aktuell 6,9 Wochen (Vorjahr: 7,4 Wochen).

Beständige Umsatzentwicklung

Aufgrund der guten Nachfragesituation stellt sich auch die Umsatzentwicklung im rheinland-pfälzischen Handwerk positiv dar. 74 Prozent (Vorjahr: 77 Prozent) der Betriebe geben hier gleich gebliebene und gar weiter gestiegene Umsätze an.

Am günstigsten bewertet wird die Umsatzentwicklung gegenüber dem Vorquartal im Kammerbezirk Mainz, wo 76 Prozent (Vorjahr: ebenfalls 76 Prozent) der befragten Handwerker gleiche oder steigende Umsätze verzeichnen können. In Koblenz sind es 75 Prozent (Vorjahr: 80 Prozent), in Trier 73 Prozent (Vorjahr: 74 Prozent) und in Kaiserslautern 72 Prozent (Vorjahr: 77 Prozent).
Die Umsatzerwartungen für das nächste Quartal sind anhaltend optimistisch. So rechnen 76 Prozent der Befragten zukünftig mit zumindest gleichen Umsätzen (Vorjahr: 77 Prozent).

Gute Betriebsauslastung

Die Auslastung im rheinland-pfälzischen Handwerk ist mit 71 Prozent der Betriebe, die eine Auslastung von über 70 Prozent angeben, auf dem Niveau des Vorjahres (72 Prozent).
Am besten ausgelastet sind zurzeit die Betriebe im Kammerbezirk Trier, von denen 78 Prozent einen Auslastungsgrad von 70 bis über 100 Prozent verzeichnen (Vorjahr: 74 Prozent). Von den befragten Handwerkern im Kammerbezirk Koblenz konstatieren 71 Prozent (Vorjahr: 73 Prozent) eine zufriedenstellende Auslastung. Im Kammerbezirk Mainz ist die Auslastung mit 70 Prozent (Vorjahr: 71 Prozent) zufriedenstellenden Angaben ebenfalls erfreulich. Am schwächsten ist die derzeitige Betriebsauslastung im Kammerbezirk Kaiserslautern: Dort erzielen 67 Prozent (Vorjahr: 69 Prozent) der Betriebe eine Auslastung über 70 Prozent.
Im Branchenvergleich liegt die derzeitige Auslastung im Baugewerbe mit 82 Prozent (Vorjahr: 88 Prozent) gut ausgelasteten Betrieben deutlich über dem Durchschnitt. Ebenfalls gut ausgelastet ist das Ausbaugewerbe mit 78 Prozent der Betriebe. Mit etwas Abstand folgen die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (74 Prozent), die Gesundheitshandwerke (63 Prozent), das Nahrungsmittelgewerbe (59 Prozent), das Kfz-Gewerbe (49 Prozent) sowie die personenbezogenen Dienstleistungen (ebenfalls 49 Prozent).

Stabile Beschäftigungssituation

Die Beschäftigungsentwicklung im rheinland-pfälzischen Handwerk ist nach wie vor sehr stabil. Gegenüber dem Vorquartal nehmen 73 Prozent der befragten Betriebe keine personellen Veränderungen vor, 16 Prozent stellen weitere Mitarbeiter ein und nur 11 Prozent bauen Stellen ab. Die Angaben der Betriebsinhaber sind somit vergleichbar mit den Angaben des Vorjahres (18 Prozent Einstellungen gegenüber 9 Prozent Freisetzungen).

Vor allem in den Bau- und Ausbauhandwerken ist ein positiver Beschäftigungssaldo zu verzeichnen. Zusätzliche Mitarbeiter wurden eingestellt, um vorhandene Auftragspolster zügig abzuarbeiten. Im Ausbauhandwerk geben 18 Prozent der Betriebe an, mehr Personal beschäftigt zu haben, bei nur 10 Prozent, die Personal freisetzen.

Hinsichtlich der zukünftigen personellen Entwicklung geben 82 Prozent der Handwerksbetriebe an, ihren Personalbestand in gleicher Höhe halten zu wollen, sechs Prozent planen Einstellungen, wohingegen 12 Prozent befürchten, in den nächsten drei Monaten Mitarbeiter entlassen zu müssen (Vorjahr: ebenso). 

Differenzierte Investitionsentwicklung

Im Durchschnitt geben 36 Prozent der Betriebe an, Investitionen vorgenommen zu haben. Die durchschnittliche Investitionssumme liegt bei 31.000 Euro und liegt damit auf Vorjahresniveau. 

Die Investitionstätigkeit der Handwerksbetriebe in Rheinland-Pfalz stellt sich in den Branchen unterschiedlich dar. Die aktuell höchste Investitionsquote haben die Betriebe des Nahrungsmittelgewerbes mit 49 Prozent (Vorjahr: 41 Prozent) sowie die Baubetriebe mit 48 Prozent (Vorjahr: 50 Prozent). Die geringste Investitionsquote liegt bei den personenbezogenen Dienstleistungen vor, hier nahmen gerade mal 22 Prozent (Vorjahr: 19 Prozent) der Betriebe neue Investitionen vor. 

Für die nächsten drei Monate erwarten 65 Prozent der rheinland-pfälzischen Betriebe gleichbleibende oder steigende Investitionen.