"Wir brauchen nicht nur Master, sondern vor allem auch Meister"

Vertreter aller im Landtag vertretenen Parteien sprechen sich beim Handwerksabend der Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen Handwerkskammern für die Stärkung der beruflichen Bildung aus.

Beim traditionellen Handwerksabend der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern rheinland-Pfalz hat der Sprecher des Arbeitsgemeinschaft, Präsident Karl Josef Wirges, vor rund 180 Besuchern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Handwerk mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen sowohl von der zukünftigen Bundesregierung als auch von der Landespolitik gefordert. Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigte die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen des Handwerks und lobte es als modernen und innovativen Wirtschaftszweig. 

In seiner Begrüßungsrede forderte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft vor dem Hintergrund des Fachkräftebedarfs und rückläufiger Ausbildungszahlen im Handwerk eine „sachgerechte, stabile und in der Höhe adäquate Förderung der beruflichen Bildung“. Die Förderung der beruflichen Bildung sei eine „Pflichtaufgabe“ und ihr sei deshalb Vorrang einzuräumen, sagte Wirges. Als politische Bereiche, für die das Handwerk landespolitischen Handlungsbedarf sehe, bezeichnete Wirges: die Bildungspolitik, die Energiepolitik und die Infrastrukturpolitik.

In der Bildungspolitik verlangte Wirges eine umfassende und flächendeckende Förderung der Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen, für deren verbindliche Umsetzung er noch „Luft nach oben“ sehe. In der Energiepolitik sprach er sich dafür aus, „bei der künftigen Ausgestaltung des Förderinstrumentariums dem Aufbau dezentraler Versorgungsstrukturen besondere Aufmerksamkeit zu widmen“. Oberste Priorität müsse die energetische Gebäudesanierung haben, da 40 Prozent des Energieverbrauchs auf Gebäude entfallen. Deshalb müsse „die fiskalische Förderung der energetischen Gebäudesanierung wieder aufgegriffen werden“. Als unverzichtbaren Standortfaktor für das Handwerk bezeichnete Wirges eine „leistungsstarke Infrastruktur“. Hier seien neben Straßensanierungen auch Neubauprojekte und eine moderne Breitbandinfrastruktur unverzichtbar.

Ministerpräsidentin Dreyer dankte dem Handwerk für die gute Arbeit und das partnerschaftliche Zusammenwirken. Das Handwerk biete Arbeits- und Ausbildungsplätze mit guten Aufstiegschancen und gebe bereits heute Antworten auf künftige gesellschaftliche Herausforderungen. Dies gelte insbesondere bei der Umsetzung der Energiewende oder für den demografischen Wandel und die damit verbundene Fachkräftesicherung. „Wir können den demografisch bedingten Rückgang an Nachwuchskräften nicht aufhalten. Aber wir müssen die Gleichwertigkeit akademischer und beruflicher Bildung betonen und voranbringen. Wir brauchen nicht nur Master, sondern vor allem auch Meister“, sagte Dreyer.

Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels biete die duale Ausbildung eine echte Alternative zum akademischen Studium, mit dem man junge Männer und junge Frauen für das Handwerk begeistern könne. Die überbetrieblichen Bildungsstätten des Handwerks bezeichnete die Ministerpräsidentin als „unverzichtbare Einrichtung der dualen Berufsausbildung“. Um die Qualität der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung zu gewährleisten, müssten die Lehrlingswerkstätten auf dem neuesten Stand der Technik sein. Deshalb werde die Landesregierung trotz der Sparzwänge die Förderungen im Handwerk nicht kürzen.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Fernsehmoderator Holger Wienpahl nahmen die Fraktionsvorsitzenden der im rheinland-pfälzischen Landtag vertretenen Parteien zu diesen und anderen Themen Stellung. Die CDU-Vorsitzende Julia Klöckner versprach den anwesenden Handwerkern, die kommende Bundesregierung werde sich jeder weiteren Aufweichung des Meisterbriefs in Zusammenhang mit der Überprüfung von Berufszulassungen durch die Europäische Kommission energisch widersetzen. Der SPD-Vorsitzende Hendrik Hering sprach sich für einen neuen Anlauf zur Förderung der energetischen Gebäudesanierung aus, wenn diese sozial gerecht ausgestaltet werde. Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Daniel Köbler legte Wert darauf, die Energiewende in Rheinland-Pfalz konsequent fortzuführen. Die Herausforderungen des Klimaschutzes machten den Ausbau der Energiewende unumkehrbar und zu einem Projekt mit herausragendem wirtschaftlichem Potential.